EINLEITENDE WORTE  von Dr. Christoph Klütsch
 

Plattform Bohnenstrasse

Als BNC vor einem Jahr in unserem philosophischen Zirkel in der Bohnenstrasse von dem Projekt Bohnenstrasse sprach, waren wir alle begeistert. Der hier wohnhafte Medienkünstler BNC wollte eine öffentliche Kunstaktion ermöglichen, die Öffentlichkeit und Privatheit zum Thema hat. Ein solches Konzept leitet sich auch aus seiner Tätigkeit als VJ ab: nächtliche Parties werden zum Ort eines harten Umgangs mit schnellen Bildern. Ein Video Jockey wird in einen halböffentlichen Raum eingeladen, um dort Bilder zu produzieren, die sich in die Umgebung von harten Beats und Nachtschwärmerei integrieren. Die Grenze zwischen Institutionen und Betrachter verschwindet, löst sich auf in ein kollektives Erlebnis.

Nun also eine Kunstaktion in der Bohnenstrasse, die einen Gegenakzent zu Straßenumzügen setzen wird - aber auch als Kritik an Institutionen zu verstehen ist. Alles ist der Öffentlichkeit ausgesetzt. Die Werke sind nicht gesichert. Eigentlich haben sie auch keinen Objektcharakter mehr – sie sind Medienkunst. Dieser Begriff wird seit Jahrzehnten strapaziert. Man denkt an Fernsehen und Internet, Pixelkitsch und Hightech. Kunst im öffentlichem Raum und Medienkunst sind eine schwierige Allianz. Die Technik ist sensibel.

Hier sind heute unterschiedlichste Zugänge zu einer Medienkunst im Spannungsfeld zwischen Öffentlichkeit und Privatheit zu sehen. Dies geschieht in einer ‚Strasse'. Strassen sind eine sehr alte Kulturerscheinung: Handelsweg, Reiseroute, Organisation von Wohnungen. Heute ist sie virtuell modelliert. In Google Earth zum Beispiel können alle Strassen der Welt aus der Weltraumperspektive betrachtet werden, Navigatinossysteme lotsen uns durch Strassen und lassen den Ort selbst als bloße Durchgangsstation erfahren. In 3D Shootern wird das Straßengefecht zum virtuellen Kampfplatz. Die Strasse als Ort politischer Auseinadersetzung ist im Rückzug – das geht bis in Sozialstrukturen hinein.

Hier ist ein Ansatzpunkt des Konzeptes. Die beteiligten Künstler haben in wunderbarer Weise darauf reagiert.

Schlußwort:
Die Plattform Bohnenstrasse wäre wohl ohne die Unterstützung von Birgit Olbrich und Franziska Höppe nicht möglich gewesen, besonderer Dank gilt noch Rose Pfister von der Städtischen Galerie im Buntentor, die dieses Projekt von Anfang an unterstützt hat. Und last but not least ein besonderer Dank an die Anwohner der Bohnenstrasse ohne deren freundliche Unterstützung ein solches Projekt nicht möglich gewesen wäre.


Dr. Christoph Klütsch      15.9.2006

http://www.computerkunst.org/